Mediennutzung und Strafbedürfnisse - Über die mediale Kriminalitätsrekonstruktion und ihre Auswirkungen auf Kriminalitätswahrnehmung und Strafzumessungswünsche in der Bevölkerung


Projektdauer

seit Anfang 2003 fortlaufend

ProjektmitarbeiterInnen

Prof. Dr. Christian Pfeiffer
Dr. Michael Windzio
Dipl.-Medienwiss. Matthias Kleimann

Finanzierung

Eigenmittel

Kooperationspartner

MedienTenor - Institut für Medienanalyse

Projektbeschreibung

Im Rahmen eines KFN-Projekts zum Anstieg der Gefangenenzahlen wurde auch eine schriftliche Befragung aller Strafrichter/ innen und Staatsanwälte/ innen Niedersachsens und Schleswig-Holsteins durchgeführt. Ziel war es Strafeinstellung zu erfassen und Ursachen möglicher Strafhärteveränderungen aus der Sicht von Experten zu identifizieren. Die ersten Ergebnisse der Befragung zeigen, dass die Justizpraktiker einen erheblichen Druck der Bevölkerung in Richtung der Verhängung härterer Strafen wahrnehmen. Die Befunde haben uns dazu veranlasst, Anfang 2004 eine schriftliche Befragung einer Repräsentativstichprobe von 2000 Bundesbürgern durchzuführen, mit der wir in gleicher Weise wie bei den Justizpraktikern Strafeinstellungen gemessen haben. Ferner wurde im Rahmen dieser Datenerhebung auch erfasst, wie die Bürgerinnen und Bürger für den Zeitraum der letzten 10 Jahre die Entwicklung der Kriminalität beurteilen und auf welche Weise sie sich über das Kriminalitätsgeschehen informieren (Quantität und Qualität des Medienkonsums).

Dank einer entsprechend vorgenommenen Bevölkerungsbefragung des Jahres 1992 können wir messen, wie sich kriminalitäts- und strafbezogene Einstellungen in der Bevölkerung in den zwölf Jahren verändert haben und welche Rolle hierbei dem Medienkonsum zukommt. Ferner versprechen wir uns von der Gegenüberstellung der Befunde von Justizpraktikern und Bevölkerung Erkenntnisse dazu, ob der sich im Rahmen des Projekts zu den Gefangenenzahlen abzeichnende Befund einer wachsenden Strafhärte der Justiz mit einem entsprechenden Wandel der Strafeinstellungen der Bevölkerung erklärt werden kann.


Eine erste Erkenntnis hat die Bevölkerungsbefragung des Jahres 2004 bereits erbracht: Die Bürgerinnen und Bürger unterstellen mit großer Mehrheit einen dramatischen Kriminalitätsanstieg, der nach den Daten der Polizei nicht eingetreten ist. Die Fehleinschätzungen fallen umso deutlicher aus, je mehr Zeit die Befragten mit dem Fernsehen verbringen und hier insbesondere mit solchen Sendungen, die Kriminalität zum Thema haben. Je mehr aber die Menschen unterstellen, dass die Kriminalität und hier insbesondere die schweren Straftaten stark zugenommen haben, umso deutlicher sprechen sie sich für härtere Strafen aus.


 


Stand der Projektarbeiten
 
Im Projekt "Mediennutzung und Strafbedürfnisse" wurde anhand von durch TNS Infratest erhobenen Daten empirisch der Einfluss von Mediennutzung auf die wahrgenommene Häufigkeitsentwicklung der Kriminalität sowie auf das Strafbedürfnis untersucht. Im Anschluss an die ersten Veröffentlichungen ist weiterer Aufsatz geplant, für den die empirische Analyse bereits abgeschlossen ist. Im Rahmen dieses Projektes wurde Kontakt zu MedienTenor in Bonn aufgenommen, die uns Daten zur Verfügung stellten, die bereits in Zeitreihenanalysen der geplanten zweiten Publikation eingeflossen sind.


 

Projektbezogene Publikationen 
Pfeiffer, C. (2004): Dämonisierung des Bösen, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 5. 3. 2004, S. 9.

Pfeiffer, C., Windzio, M. & Kleimann, M. (2004). Die Medien, das Böse und wir. Zu den Auswirkungen der Mediennutzung auf Kriminalitätswahrnehmung, Strafbedürfnisse und Kriminalpolitik. Monatsschrift für Kriminologie und Strafrechtsreform, 87, 2004 (in Druck).

Pfeiffer, C., Windzio, M. & Kleimann, M. (2004). Kriminalität, Medien und Öffentlichkeit. Medientenor Forschungsbericht Nr.148 / 4.Quartal 2004.

Russ-Mohl, S. (2005). Wachsende Furcht trotz sinkender Gefahr. Die Kriminalität und die Medienberichte. Neue Zürcher Zeitung vom 21.1.2005.



 

Projektbezogene Vorträge 
Windzio, M. (3.12.2004). Kriminalitätsfurcht und subjektive Wahrnehmung der Kriminalitätsentwicklung in der Bevölkerung. ZUMA Workshop der Abteilung Soziale Indikatoren Subjektives Wohlbefinden und subjektive Indikatoren: Konzepte, Daten und Analysen" in Mannheim (2. - 3. Dezember 2004)

Windzio, M. (23.9.2004). Media use, Perception of Crime, and punitivity (need for punishment). Paper presented at the annual MediaTenor Conference (22.-24.9.2004, Bonn-Petersberg).




aktualisiert 12.2009