Forschungsbericht zu Tötungsdelikten an 6-13jährigen Kindern veröffentlicht

Das KFN hat eine Studie veröffentlicht, die Tötungsdelikte an 6- bis 13-jährigen Kindern aus dem gesamten Bundesgebiet für den Zeitraum 1997-2012 untersucht. Die Forschungsarbeit zeigt, dass die meisten Opfer in dieser Altersgruppe, insgesamt 52 %, im Rahmen von sogenannten erweiterten Suiziden getötet werden. Hierbei handelt es sich um Fälle, bei denen Eltern in einer ausweglosen Lebenssituation beschließen, das eigene Leben zu beenden und das eigene Kind, bzw. die Kinder mit in den Tod zu nehmen. Häufig treten dabei mehrere Probleme auf einmal auf, wie etwa Trennungen, psychische Erkrankungen, Überforderungen oder finanzielle Probleme. Insgesamt 43 % der untersuchten TäterInnen überlebten den Suizidversuch. „Durch die beabsichtigte eigene Tötung ist nicht davon auszugehen, dass sich der Täter/ die Täterin bei der Tatplanung Gedanken über strafrechtliche Konsequenzen macht. Ein Schutz der Kinder muss in dieser Fallgruppe daher bei der Unterstützung von Eltern mit entsprechenden Problemkonstellationen ansetzen“, erklärt Monika Haug, die Leiterin der Studie. Aufgrund der hohen Selbsttötungsrate steht in diesen Fällen am Ende des Verfahrens oftmals kein gerichtliches Urteil.

Dabei muss man bedenken, dass die Zahlen der registrierten Tötungsdelikte an Kindern seit Jahren rückläufig sind. „Während die Polizeiliche Kriminalstatistik 1995 noch 172 Kinder unter 14 Jahren als Opfer von vorsätzlichen, vollendeten Tötungsdelikten beschrieb, waren dies 2016 noch 68 Fälle, was einem Rückgang von 60 Prozent entspricht“, berichtet Monika Haug. Im Jahr 2016 wurden demnach 3 von 1 Mio. Kindern im Alter von 6 bis 13 Jahren Opfer eines vorsätzlichen, vollendeten Tötungsdelikts.

Die Zahlen sagen jedoch nichts über die konkreten Tötungsarten und die Tathintergründe aus. Und genau da setzt die KFN-Studie an. Neben der bereits erwähnten Fallgruppe der sogenannten erweiterten Suizide gibt es zwei weitere wichtige Tatmuster. So werden in den untersuchten Fällen insgesamt 21 % der Opfer im Zusammenhang mit Sexualdelikten getötet. Hierbei handelt es sich typischerweise um Fälle, bei denen die Kinder getötet wurden, um vorangegangene sexuelle Handlungen am Opfer zu verdecken. Dabei waren ausschließlich männliche Täter außerhalb des Elternkreises für die Taten verantwortlich. Weitere 14 % der Opfer starben durch sonstige zielgerichtete Tötungen. Neben sehr unterschiedlichen Tatmotiven von Tätern außerhalb des Elternkreises heben sich hier insbesondere Tötungen durch leibliche oder soziale Väter hervor, in denen u.a. Wut oder Verzweiflung über eine nicht verwundene Trennung zum Ausdruck kommen. Auch in diesen Fällen zeichnen sich also individuelle Problemlagen der Eltern als Auslöser für die Taten ab. Die Studie zeigt in diesen beiden Fallgruppen eine nahezu hundertprozentige Aufklärungsquote – in lediglich einem Fall konnte kein Täter/keine Täterin ermittelt werden. Dies belegt, dass Tötungsdelikte an Kindern in dieser Altersgruppe umfassend aufgeklärt und verfolgt werden. Die Forschungsarbeit zeigt ferner, dass Tötungen durch Misshandlungen und Vernachlässigungen, die bei kleineren Kindern noch vergleichsweise häufig sind, in dieser Altersgruppe nur noch sehr selten auftreten.

Bei der Studie handelt es sich um ein Anschlussprojekt zu dem zwischen 2007 und 2012 am KFN durchgeführten Forschungsprojekt zu Tötungsdelikten an unter 6-jährigen Kindern, für das Taten an 535 Opfern analysiert wurden.

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Download KFN Forschungsbericht Nr.134 (PDF)

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