Pro Kind

Projektzeitraum

2006 – 2012

Projektmitarbeiter

Tilman Brand

Vivien Kurtz

Mareike Otto

Mona Bode

Svenja Burtschik

Inga Röring

Finanzierung

TUI-Stiftung (biopsychosoziale Evaluation Niedersachsen)

Günter-Reimann-Dubbers-Stiftung / Dürr-Stiftung (Implementationsforschung Niedersachsen)

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Implementationsforschung und biopsychosoziale Evaluation in Bremen und Sachsen; Kosten-Nutzen-Analyse in Bremen, Niedersachsen und Sachsen)

Sozialminsterium Sachsen (Implementationsforschung und biopsychosoziale Evaluation in Sachsen).

Kooperationsparter

National:
Prof. Dr. Tanja Jungmann (ISER, Universität Rostock, Leitung der Implementationsforschung und der biopsychosozialen Evaluation)

PD Dr. Peter F. Lutz (Institut für Öffentliche Finanzen, Leibniz Universität Hannover, Leitung der Kosten-Nutzen-Analyse)

Prof. Dr. Kai von Klitzing (Universitätsklinikum Leipzig, Kinder- und Jugendpsychiatrie)

Prof. Dr. Hüsamettin Günay (MHH, Leitung der zahnmedizinischen Begleitforschung)

International:
Prof. Dr. David Olds (Direktor des Prevention Research Center for Family and Child Health, University of Denver, Colorado)

Projektbeschreibung

Das Programm dient auf der Ebene des Kindes der Förderung der emotionalen, kognitiven und sozialen Entwicklung sowie der Prävention von Vernachlässigung, Misshandlung und Missbrauch, indem es die Eltern zu den primären Adressaten der Intervention macht: Gesundheitsbezogenes Verhalten wird bereits während der Schwangerschaft gefördert und die Bindung zum Kind wird über die Stärkung der elterlichen intuitiven Erziehungskompetenzen verbessert. Auf der Ebene der Mutter bzw. der Eltern wird auf den Auf- bzw. Ausbau der formellen und informellen Netzwerke hingewirkt. Darüber hinaus zielt das Projekt langfristig auch darauf ab, den Familien ökonomische Eigenständigkeit und damit Unabhängigkeit von Arbeitslosengeld und Sozialhilfe zu ermöglichen, womit sich die Hoffnung verbindet, staatliche Unterstützungskosten reduzieren zu können.

Es basiert auf der Konzeption des in den USA seit nunmehr 30 Jahren erfolgreich etablierten und evidenzbasierten Hausbesuchsprogramm “Nurse Family Partnership” (NFP) zur frühen Förderung von jungen, in finanzieller und sozialer Hinsicht benachteiligten Familien. Diese werden kontinuierlich durch “Nurses” (entspricht dem Berufsbild der Familiengesundheitsschwester) begleitet und unterstützt. Die Hausbesuche beginnen bereits vor der Geburt des Kindes und werden bis zu dessen zweitem Geburtstag fortgesetzt. Auch im Modellprojekt “Pro Kind – Wir begleiten junge Familien” werden Maßnahmen der aufsuchenden, klientenzentrierten Beratung von schwangeren Frauen durch professionelle Familienbegleiterinnen im Rahmen einer differenzierten Einzelfallbetreuung durchgeführt. Die Umsetzung erfolgt in Form zweier unterschiedlicher Projektvarianten in Niedersachsen und Bremen, die sich hinsichtlich des Familienbegleitungsmodus voneinander unterscheiden: entweder führt ein Familienbegleitungsteam (Hebamme + Sozialpädagogin) oder eine Familienbegleiterin (Hebamme) die Hausbesuche durch.

Die Implementationsforschung widmet sich vor allem der Frage, inwiefern sich das in den USA konzipierte und dort erfolgreich etablierte Programm auch in Deutschland umsetzen lässt (Prozessevaluation). Des Weiteren wird der Forschungsfrage nachgegangen, welche Auswirkungen sich aus den unterschiedlich gewählten Familienbegleitungsmodi (Familienbegleitungsteams vs. eine Familienbegleiterin) bezüglich der Erreichbarkeit der Zielgruppe, ihres Verbleibs im Projekt und der Umsetzbarkeit des Programmkonzepts ergeben. Darüber hinaus ist auch die Integrierbarkeit und Vernetzung mit bereits bestehenden sozialen Dienstleistungsangeboten Gegenstand der Implementationsforschung. Zu diesen Fragestellungen wurden bereits erste qualitative Expertenbefragungen mit kommunalen Vertretern, der Projektleitung und den Familienbegleiterinnen durchgeführt.

Im Bereich der biopsychosozialen Evaluation, in der mit Hilfe quantitativer und qualitativer Erhebungsmethoden insbesondere die Wirksamkeit des Projektes überprüft werden, werden zu fünf Erhebungszeitpunkten (zwei während, drei nach der Schwangerschaft bis zum 3. Lebensjahr des Kindes) standardisierte Befragungen der am Projekt beteiligten Frauen durchgeführt werden. Der kindliche Entwicklungsstand wird u.a. mithilfe der Bayley Scales of Infant Development (BSID)-II (Reuner et al., 2007) und dem Sprachentwicklungstest für Zweijährige (SETK-2; Grimm, 2000) erfasst. Die Qualität der Mutter-Kind-Interaktion wird mithilfe der Maternal Behavior Rating Scale (Mahoney, 2008) und des CARE-Index (Crittenden, 2006) ausgewertet.

Um mögliche Effekte des Programms eindeutig auf die durchgeführte Intervention zurückführen zu können, bedarf es eines randomisierten Kontrollgruppendesigns: die eine Hälfte der Frauen erhält alle sozialstaatlich verfügbaren Leistungen und eine finanzielle Entschädigung für den zeitlichen Aufwand, der durch die Begleitforschung entsteht (Kontrollgruppe). Die andere Hälfte der Frauen erhält zusätzlich dazu eine regelmäßige Familienbegleitung (Treatmentgruppe).

Die Datenerhebung bis zum Alter der Kinder von 12 Monaten ist abgeschlossen, es stehen noch Daten zum t4-Zeitpunkt (24 Monate der Kinder) aus. Die vollständige Datenerhebung wird Mitte 2012 beendet sein.

Projektbezogene Publikationen