Wie hängen Religiosität und Jugenddelinquenz zusammen?

24. August 2026

Dieser Frage widmen sich Jan-Philip Steinmann und Miriam Kiene in ihrem Artikel „The good, the bad, and the curvilinear. Revisiting the relationship between religiosity and delinquency“. Es ist der erste Beitrag aus dem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Projekt „Die Rolle von Religiosität für Delinquenz unter christlichen und muslimischen Jugendlichen“ (ReliDeli).

Während bisherige Forschung von der Annahme ausging, dass Religiosität tendenziell delinquentes Verhalten reduziert, hinterfragt die Studie diesen in der kriminologischen Literatur wiederholt empirisch belegten Zusammenhang.

Die Autor*innen vermuten, dass Religiosität und Delinquenz zunächst negativ zusammenhängen, bevor sich dieser Effekt ab einem moderaten Religiositätsgrad umkehrt. Demnach würden Personen an beiden Enden des religiösen Spektrums die höchsten Delinquenzneigungen aufweisen.

Die Befunde sprechen dafür, dass ein höheres Maß an Religiosität unter Jugendlichen nicht notwendigerweise mit weniger delinquentem Verhalten einhergeht und widersprechen damit der Linearitätsannahme früherer Forschung.

Die Ergebnisse basieren auf Daten von mehr als 45.000 Jugendlichen in Deutschland aus sechs Erhebungen (2013-2024) und zeigen sich über verschiedene Formen von Delinquenz hinweg (Gewaltdelikte, Substanzkonsum, Eigentumsdelikte) sowie unabhängig von der jeweiligen Messung von Religiosität.

Insgesamt unterstreicht die Studie die Notwendigkeit, hochreligiöse Individuen stärker in den Blick zu nehmen.

Open Access in Justice Quarterly veröffentlicht.

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