Gewalt gegen Männer in Partnerschaften – von der Scham zur Hilfe

 

Projektzeitraum

01.01.2022 – 30.06.2023

Projektmitarbeitende

Dr. Jonas Schemmel (Projektleiter)

Laura-Romina Goede

Philipp Müller

Ava Stähler (studentische Hilfskraft)

Finanzierung

WEISSER Ring Stiftung

Kriminologisches Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN e.V.)

Projektbeschreibung

Das Thema partnerschaftliche Gewalt findet bereits seit mehreren Jahrzehnten Aufmerksamkeit in unserer Gesellschaft, wissenschaftlichen Diskursen und politischen Debatten und dürfte unter den Bedingungen der aktuellen Corona-Pandemie noch mehr an Schwere und somit gesamtgesellschaftlicher Bedeutung gewinnen (siehe z.B. Neubert et al., 2020 sowie Bradbury-Jones & Isham, 2020). 2011 wurde in Istanbul vom Europarat ein Übereinkommen zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt beschlossen. In Deutschland ist die Konvention am 1. Februar 2018 in Kraft getreten und beinhaltet Empfehlungen, alle Opfer partnerschaftlicher Gewalt einzubeziehen. Neben Frauen und Kindern sollen dementsprechend auch gewaltbetroffene Männer geschützt werden. Das Wissen über Formen und Bedingungen partnerschaftlicher Gewalt gegen Männer in Deutschland ist zurzeit jedoch gering.

Das Forschungsprojekt „Partnerschaftsgewalt gegen Männer –  von der Scham zur Hilfe“ adressiert diese Forschungslücke. Ziel des Projekts ist es, die Beziehungsdynamiken, Gewalterfahrungen und Gewaltbelastungen von Männern in hetero- und gleichgeschlechtlichen partnerschaftlichen Beziehungen zu ermitteln. Hierbei sind Formen physischer, psychischer und sexualisierter Gewalt zu berücksichtigen. Auch die Vorgeschichte der Betroffenen zu den einzelnen Gewalttaten soll in der Untersuchung berücksichtigt werden. Weiterhin soll die Studie Erkenntnisse zu Ausmaß und Relevanz von Gewalt gegen Männer in Partnerschaften gewinnen sowie Hintergründe und Folgen der Gewalt beleuchten.

In der Studie werden verschiedene Forschungsmethoden miteinander kombiniert. Um der Frage nach der Verbreitung und dem Ausmaß von Gewalt gegen Männer in partnerschaftlichen Beziehungen nachzugehen, wird eine deutschlandweit repräsentative quantitative Onlinebefragung (N=12.000) durchgeführt. Zusätzlich wird den Befragten angeboten, einen Papierfragebogen zu beziehen. Die zufällige Auswahl der zu befragenden Personen soll anhand einer sogenannten Einwohnermeldeamtsstichprobe erfolgen. Außerdem werden persönliche Interviews mit betroffenen Männern (N=15) geführt. Ziel der qualitativen Interviews ist es, die subjektiv-erlebte Gewalterfahrung abzubilden, sowie dahinterliegende Dynamiken auf Ebene der Paarbeziehung zu rekonstruieren. Auch soll es in den Interviews darum gehen, positive und negative Erfahrungen mit Hilfs- und Beratungsangeboten zu beleuchten.

Nach Abschluss der Auswertungen der quantitativen und qualitativen Daten werden Ergebnisse des Projekts auf einer Fachtagung mit ca. 20 relevanten Stakeholdern (Personen in Hilfsorganisationen, ehrenamtliche Opferhelfer*innen, Polizei, Opferanwalt*innen, Psychotherapeut*innen, Selbsthilfe) vorgestellt. Anschließend finden themenzentrierte Workshops statt, in denen die Teilnehmer*innen die Ergebnisse des Projektes im Hinblick auf eine verbesserte Hilfe- und Beratungsstruktur diskutieren. Die Workshops werden als Fokusgruppendiskussionen ausgestaltet und von Mitarbeiter*innen des Forschungsteams moderiert und protokolliert.

Bei Fragen zum Projekt schreiben Sie gerne eine E-Mail an gewaltgegenmaenner@kfn.de.