Kriminologisches Kolloquium

03. Februar 2026, 17:00 - 18:30 Uhr

Wir laden Sie herzlich zu unserem nächsten Kriminologischen Kolloquium am 03. Februar 2026 um 17 Uhr ein

Mit „künstlicher Intelligenz“ von selektiver zu totaler Sozialkontrolle?

Gegenstand des Vortrags:

Selektivität scheint das Funktionsprinzip einer Gesellschaft bildenden und erhaltenden sozialen Kontrolle zu sein. Sowohl formelle als auch informelle soziale Kontrolle ist erfolgreich, weil sie nur bei ausgewählten Quantitäten und Qualitäten abweichenden oder delinquenten Verhaltens eingreift. Der Filterungsprozess der Strafverfolgung und Strategien der Nichtintervention oder Diversion spiegeln diesen Mechanismus wider. Er hat sich unter Bedingungen begrenzter Informationen und begrenzter Möglichkeiten der Datenanalyse entwickelt. Heute ist es jedoch technisch möglich, alle Informationen über abweichendes Verhalten und abweichende Personen zu sammeln (Big Data) und mittels maschinellen Lernens („künstliche Intelligenz“) zu analysieren. Ein solches Informationsmanagement würde Möglichkeiten für totale Kontrollstrategien eröffnen. Inwieweit dies machbar sein könnte, wird unter Berücksichtigung des Potenzials und der Grenzen von heutigen Data-Science-Systemen wie Social Scoring diskutiert. Und inwieweit rechtliche Beschränkungen, wie beispielsweise die EU-KI-Verordnung, hinreichen, um einer „Verführung zur Totalität” zu widerstehen. Die Hauptannahme des Vortrags ist, dass durch eine totale Kontrolle das Prinzip der Selektivität und damit die Funktionen sozialer Kontrolle in einer modernen Gesellschaft unterminiert werden. 

Teilnahmevoraussetzungen:

Für Ihre Teilnahme ist eine Anmeldung über unser Online-Formular erforderlich. Den Teilnahmelink erhalten Sie direkt nach der Anmeldung, sodass diese auch noch sehr kurzfristig erfolgen kann. Die Teilnahme ist kostenlos. Eine Teilnahmebescheinigung wird auf Wunsch ausgestellt und in den Tagen nach der Veranstaltung per E-Mail zugesandt. Das Kriminologische Kolloquium des KFN wird in mehreren Bundesländern, u.a. in Baden-Württemberg, Bayern, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein, im jeweiligen justizministeriellen Geschäftsbereich Strafgerichte und Staatsanwaltschaften als anerkannte Fortbildungsveranstaltung geführt. Darüber hinaus wird die Teilnahme an der Veranstaltung als Fortbildungsleistung von verschiedenen Anwaltskammern und als föderale Weiterbildung zur Fachpsychologin bzw. zum Fachpsychologen für Rechtspsychologie anerkannt.

Bisherige Themen
  • Künstliche Intelligenz und qualitativ-rekonstruktive Forschung in der Kriminologie: Was kann sie (nicht)? (Prof. Dr. Nadine Jukschat)
  • Die unvermeidbare Ersatzfreiheitsstrafe – warum manche Menschen nicht zu erreichen sind (PD Dr. Nicole Bögelein & Jana Meier)
  • Der Kauf von Emotionen – Glücksspiele und ihre Risiken (Dr. Tobias Hayer)
  • Psychisch erkrankte Menschen in Haft: Welchen Beitrag kann die Forschung leisten? (Prof. Dr. Johannes Fuß)
  • Gender-based online violence against female politicians in West Africa: A case of Sierra Leone (Makalay Sonda)
  • Gewalt und System: Begriffe, empirische Befunde und gesellschaftliche Kontexte von Gewalt in der Geburtshilfe (Dr. Tina Jung)
  • Virtual reality in crime research: An introduction and review (Prof. Dr. Dr. Jean-Louis van Gelder)
  • Lynchgewalt in Lateinamerika (Dr. Enzo Nussio)
  • Was nehmen Opfer als gerecht wahr? Sozialpsychologische Erkenntnisse über Strafbedürfnisse, gerechtigkeitsbezogene Zufriedenheit und Empowerment (Prof. Dr. Friederike Funk)
  • Abseits des Mainstreams: Potenziale qualitativ-rekonstruktiver Forschung am Beispiel von Jugendkriminalität, Neosalafismus und marginalisierten Stadtteilen (Dr. Katharina Leimbach)
  • Aggressionen und Gewalt gegen Politiker*innen in Deutschland – Vorstellung eines deutschlandweiten Forschungsprojekts auf allen politischen Ebenen (Dr. Farina RühsAnna HahnemannDr. Anne-Kathrin Kreft & Philipp Müller)
  • Coping with emotionally challenging research: Findings from the Researcher Wellbeing Project (Dr. Tina Skinner)
  • Proaktive Gewalt und soziale Ordnung (Prof. Dr. Michael Windzio)
  • Erste Ergebnisse der Berliner Farm Crime-Untersuchung (Prof. Dr. Kirstin Drenkhahn)
  • Übermäßige polizeiliche Gewaltanwendungen – Situationen, Bewertungen und Aufarbeitung (Laila Abdul-Rahman und Prof. Dr. Tobias Singelnstein)
  • Sentencing Guidelines in England and Wales: A Pioneer for the German Judicial System (Prof. Julian Roberts)
    Die Präsentationsfolien stehen hier für den Download zur Verfügung.
  • Der Entwicklungsverlauf von opioidabhängigen Strafgefangenen nach ihrer Entlassung in Abhängigkeit der Suchtbehandlung (Substitution vs. abstinenzorientiert) (Prof. Dr. Mark Stemmler)
    Die Präsentationsfolien stehen hier für den Download zur Verfügung.
  • Diskriminierungserfahrungen und Viktimisierung durch Vorurteilskriminalität – Empirische Einblicke in Betroffenenperspektiven (Prof. Dr. Eva Groß und
    Prof. Dr. Joachim Häfele)
  • Jugenddelinquenz im schulischen und wohnräumlichen Kontext (Prof. Dr. Clemens Kroneberg)
    Die Präsentationsfolien stehen hier für den Download zur Verfügung.
  • Sexualität und Gewalt unter Jugendlichen (Prof. Dr. Elisabeth Tuider) 
  • Die Spätverfolgung von NS-Verbrechen durch die deutsche Strafjustiz (Prof. Dr. Boris Burghardt)
  • Evaluation der reformierten Vorschriften über den Menschenhandel im StGB– Ergebnisse einer aktuellen Studie (Nora Labarta Greven und Prof. Dr. Tillmann Bartsch)
    Die Präsentationsfolien stehen hier für den Download zur Verfügung.
  • Was bleibt vom Grundrecht auf Sterbehilfe? (Prof. Dr. Bernd Hecker)
    Die Präsentationsfolien stehen hier für den Download zur Verfügung.
  • Schwangerschaftsabbruch im Recht (Prof. Dr. Liane Wörner)
  • Haft zu Hause versus im Gefängnis – Unterschiede in der Legalbewährung von Strafgefangenen nach elektronisch überwachtem Hausarrest und der Strafhaft in einer Justizanstalt (Cornelia Auer)
  • Werte und Einstellungen (muslimischer) Jugendstrafgefangener (Dr. Wolfgang Stelly, Paulina Lutz)
  • Terrorismusfinanzierung (Prof. Dr. Frank Saliger)
  • Pornographie und sexuelle Selbstbestimmung (Dr. Anja Schmidt) 
  • Radikalisierung – Empirische Befunde, begriffliche Ambivalenzen und gesellschaftspolitische Konsequenzen (Dr. Julian Junk)
  • Resilienz (Prof. Dr. Raffael Kalisch)
  • Evaluation des Anti-Doping-Gesetzes (Prof. Dr. Elisa Hoven)
  • Wer bestimmt, was man online sagen darf: Regelbildung in digitalen Kommunikationsräumen (PD Dr. Matthias C. Kettemann, LL.M. (Harvard))
  • Die Praxis der Verständigung im Strafprozess. Ergebnisse einer bundesweiten Online–Befragung. (Prof. Dr. Jörg Kinzig)
  • Cybercrime – Die Diskrepanz zwischen Hell- und Dunkelfeld (Mag. Dr. Edith Huber)
    Die Präsentationsfolien stehen hier für den Download zur Verfügung.
  • Amoktaten  – Ursachen und Prävention (Prof. Dr. Britta Bannenberg)
    Die Präsentationsfolien stehen hier für den Download zur Verfügung
  • Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch Kleriker (Prof. Dr. Harald Dreßing)
  • Clankriminalität (Prof. Dr. Dorothee Dienstbühl)
  • Rechtspopulismus in der Arbeitswelt. (Björn Allmendinger)
  • Scharia als Weg zur Gerechtigkeit? Eine Analyse der Rezeption salafistischer Online-Videos durch junge Menschen. (Lino Klevesath, M.A & Annemieke Munderloh, B.A, Forschungsstelle FoDEx, Institut für Demokratieforschung (Uni Göttingen)) 
  • Wen kontrolliert die Polizei? Erkenntnisse zum Ethnic Profiling im Großstadtrevier (Dr. Daniela Hunold)
  • Gewalt und Konflikte in der öffentlichen Verwaltung (Prof. Dr. Johanna Groß)
  • Religion und Gewalt (Johannes Beller, M.Sc.)
  • Alles nur ein Spiel?! Agressive Fantasien als Prädiktoren aggressiven Verhaltens? (Prof. Dr. Rebecca Bondü)
  • Turning to political violence: The Emergence of Terrorism (Dr. Marc Sagemann)
  • Hirnbiologische Grundlagen gewalttätigen Verhaltens (Prof. (em.) Dr. med. Bernhard Bogerts)
  • Politisch motivierte Gewalt unter Jugendlichen – Ausgewählte Ergebnisse einer quantitativen Schülerbefragung (Dr. Alexander Yendell und Julia Schuler)
  • Delinquenz bei jugendlichen Immigranten: Ein migrationsspezifisches Phänomen oder jugendtypisches Verhalten? (Prof. Dr. Peter F. Titzmann) 
  • Cybercrime – Aktuelle Entwicklungen eines neuen Deliktfeldes (Andreas May und Dr. Benjamin Krause)
  • Ideologisierte Islamauslegungen bei jungen Menschen (Dr. Anja Frank)
  • Suchterkrankungen – Wer gerät in den Sog der Abhängigkeit? (PD Dr. Hans-Jürgen Rumpf)

Alle Infos auf einen Blick:

03. Februar 2026, 17:00 - 18:30 Uhr

Lützerodestraße 9, 30161 Hannover
und online

Prof. Dr. Klaus Boers
(Universität Münster)

Hinweise:

Bitte beachten Sie, dass dieser Termin ausnahmsweise bereits um 17.00 Uhr beginnt und um 18.30 Uhr endet.

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