Das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN) ist ein unabhängiges Forschungsinstitut, das sich insbesondere der Frage nach den Voraussetzungen und den Folgen von Kriminalität widmet. Unsere kriminologische Forschung ist grundlagen- und praxisorientiert und interdisziplinär ausgerichtet. In unserem Haus arbeiten derzeit rund 20 Wissenschaftler*innen der Fachrichtungen Kriminologie, Rechtswissenschaften, Soziologie, Politikwissenschaften und Psychologie plus eine Vielzahl an Studentischen Hilfskräften und Praktikant*innen. Das KFN gliedert sich in drei Forschungseinheiten: Ätiologie der Devianz, Viktimologie und Institutionen der Sozialkontrolle.
Die Forschungseinheit Ätiologie der Devianz widmet sich in erster Linie täter*innenbezogener Ursachenforschung. Dabei werden auf Basis theoriegestützter empirischer Forschung mikroskopische und makroskopische Perspektiven miteinander kombiniert. Schwerpunkte liegen auf der Erforschung von Kriminalität im Lebensverlauf, der Untersuchung von deviantem Verhalten vor dem Hintergrund sozialer Wandlungsprozesse sowie der Analyse vom Umgang mit Normabweichungen. Aktuell stehen folgende Forschungsfragen im Mittelpunkt: (1) Wie und unter welchen Bedingungen entstehen differierende Delinquenzverläufe bei Jugendlichen? (2) Wie und unter welchen Bedingungen beeinflusst Religion deviantes Verhalten? (3) Wie und unter welchen Bedingungen kommt es zu ethnischen Asymmetrien bei der Durchsetzung sozialer Normen? Zur Beantwortung dieser und anderer Forschungsfragen kommen quantitative (quer- und längsschnittliche Surveys und Experimente) und qualitative Ansätze sowie deren Kombination zum Einsatz.
Ätiologie der Devianz
Leiter der Forschungseinheit:
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Radikalisierung im digitalen Zeitalter (RadigZ) | Schüler*innenbefragungen | Analyse der Entwicklung der Kriminalität von Zugewanderten in Schleswig-Holstein |
Ursachen und Entwicklungen abweichenden VerhaltensLeiter der Forschungseinheit:
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Radikalisierung im digitalen Zeitalter (RadigZ) Analyse der Entwicklung der Kriminalität von Zugewanderten in Schleswig-Holstein |
Die Forschungseinheit Viktimologie erforscht Kriminalität mit besonderer Berücksichtigung der Perspektive individueller Betroffener. Ein Fokus liegt auf der prozeduralen Viktimologie, also der Interaktion durch Straftaten Verletzter mit staatlichen Institutionen, vor allem mit den Strafverfolgungsbehörden. Vor dem Hintergrund der bereits seit einiger Zeit andauernden Diskussion um einen besseren Opferschutz sowie diesbezüglicher Reformbemühungen liegt ein Schwerpunkt der Forschungseinheit auf den folgenden Forschungsfragen: (1) Wie erleben durch Straftaten Verletzte strafrechtliche Verfahren und wovon wird dies beeinflusst? (2) Wie effektiv sind Reformbemühungen im Sinne des Opferschutzes? Zusätzlich bemüht sich die Forschungseinheit, regelmäßig aktuelle, gesellschaftliche relevante viktimologische Phänomene zu untersuchen und legt dabei einen querschnittlichen Schwerpunkt auf die oben genannten Forschungsfragen. Die Forschungseinheit nutzt dafür einen Mix aus quantitativen und qualitativen Methoden, wobei die Implementation längsschnittlicher Untersuchungen fokussiert werden soll.
Formen und Folgen abweichenden VerhaltensLeiterin der Forschungseinheit:Dr. Jonas Schemmel und Prof. Dr. Tillmann Bartsch |
Gewalt gegen Männer in Partnerschaften – von der Scham zur Hilfe |
Das Forschungsfeld der Forschungseinheit Institutionen der Sozialkontrolle ist in erster Linie der Straf- und Maßregelvollzug (einschließlich Jugendarrest). Aber auch die Arbeit der Strafgerichtsbarkeit und anderer staatlicher Institutionen der Sozialkontrolle, die auf Normverstöße reagieren (z. B. Polizei, Jugend- und Familienhilfe), wird in verschiedenen Projekten (z. B. Wiederaufnahme; Menschenhandel; Strafzumessung; Femizid; Übergangsmanagement) in den Blick genommen. Derzeit stehen folgende Forschungsfragen im Zentrum: (1) Inwieweit kommt ausgewählten Sanktionen des Strafrechts – etwa der aktuell vieldiskutierten Ersatzfreiheitsstrafe – eine spezialpräventive Wirkung zu? (2) Wie wirkt es sich in spezial- und generalpräventiver Hinsicht aus, wenn die nach einem Normbruch gebotenen und von den Täter*innen bzw. deren Umfeld erwarteten Sanktionen ausbleiben? (3) Wie und unter welchen Bedingungen nimmt das individuelle (Gerechtigkeits-)Erleben im Kontext des Strafprozesses und des Strafvollzuges Einfluss auf die spezialpräventive Sanktionswirkung? Das Herangehen an die Forschungsfragen ist in der Regel multimethodal und integriert ein breites Spektrum von (Expert*innen-)Interviews über Dunkelfeldstudien und Aktenanalysen bis zur Auswertung von Offizial- und Registerdaten.
Institutionen der SozialkontrolleLeiter der Forschungseinheit:
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Legalbewährung nach der Entlassung aus dem offenen Vollzug: Eine Vergleichsstudie Klient*innenbefragung zum Übergangsmanagement in Niedersachsen Fehler und Wiederaufnahme im Strafverfahren Corona hinter Gittern (CoBiBar) |