Cybercrime gegen Privatnutzer

Projektzeitraum

1.10.2019 – 30.9.2021

Projektmitarbeiter

Marie Christine Bergmann (Projektleiterin)

Mella Sophie Perleberg (studentische Hilfskraft)

Kooperationspartner

Prof. Dr. Gina Wollinger, FHöV NRW

Finanzierung

Pro*Niedersachsen – Förderprogramm des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur

Projektbeschreibung

Die private Internetnutzung ist ein fester Bestandteil im Alltag der meisten Menschen in Deutschland. Die Möglichkeiten sind vielfältig, im Umkehrschluss jedoch ebenso die Gelegenheiten zu Straftaten. Der Begriff Cybercrime ist weder ein fester Straftatbestand noch liegt hierzu eine rechtliche Definition vor. Vielmehr werden sehr unterschiedliche Delikte mit Cybercrime verbunden, die irgendeinen Bezug zum Internet haben wie das Ausspähen von Daten, die Verbreitung von Computerviren aber auch Warenkreditbetrug, Cybermobbing und -stalking. Hinsichtlich dieser Vielzahl unterschiedlicher Tatbestände wird zwischen Cybercrime im engeren und Cybercrime im weiteren Sinn unterschieden. Die Zuordnung von Straftaten zu Cybercrime im engeren Sinn, bezieht sich auf Delikte, die einen direkten Angriff auf die IT-Strukturen darstellen wie beispielsweise bei Malware, Ransomware oder der Ausspähung und dem Abfangen von Daten. Unter Cybercrime im weiteren Sinn werden hingegen Straftaten verstanden, bei welchen das Internet eher Tatmittel und nicht Tatziel ist, d.h. nicht Cybercrime im engeren Sinn. Beispiele dafür sind Warenkreditbetrug, Cybermobbing und Cyberstalking.

Im Gegensatz zu der steigenden Verbreitung von Straftaten im Bereich Cybercrime gegen Privatnutzer/innen hat sich die kriminologische Forschung bisher nur gering dieser Thematik gewidmet. So mangelt es an umfangreichen Erkenntnissen zu Risikofaktoren bzw. an Untersuchungen zu wirksamen Schutzmaßnahmen vor Cybercrime. Ferner besteht eine Forschungslücke hinsichtlich der psychischen Folgen von Cybercrime und der Reaktionen von Betroffenen, insbesondere im Zusammenhang mit der Anzeigebereitschaft und der Erfahrung mit den Strafermittlungsbehörden. Des Weiteren ist wenig bekannt über Täterschaft allgemein und Täter/innen-Opfer-Beziehungen im Besonderen im Kontext von Cybermobbing und –stalking, die nicht das Jugendalter betreffen. Bisher gibt es ebenfalls kaum Untersuchungen, die Cybercrimeopfer- sowie Täterschaften erfassen und sich dabei sowohl auf Cybercrime im engeren als auch im weiteren Sinne konzentrieren.

Das Projekt hat das Ziel diese Forschungslücke mittels einer repräsentativen Dunkelfeldbefragung von 10.000 Einwohner/innen (ab 16 Jahre) in Niedersachsen zu schließen. Dabei sollen grundlegende kriminologische Fragen zu Hintergrund und Zusammenhängen von Cybercrime beantwortet werden. Dies betrifft vor allem die Rate der Viktimisierung (Prävalenz), Personenmerkmale und Nutzerverhalten sowie die Reaktionen auf die Straftat/ das Delikt.  So soll im Rahmen der Untersuchung der Frage nachgegangen welche Einflussfaktoren mit einem erhöhten Risiko, Opfer oder Täter/innen von den verschiedenen Cybercrime-Delikten zu werden, zusammenhängen. Aufbauend auf den Ergebnissen werden leitfadengestützte Interviews mit Betroffenen von Cybercrime geführt. Ziel der Interviews ist es vertiefende Kenntnisse zur Reaktion auf die Opferwerdung und insbesondere den darauffolgenden (oder eben nicht darauffolgenden) Umgang mit der Polizei und/oder anderen Unterstützungsangeboten zu erlangen. Erkenntnisse sollen außerdem dahingehend gewonnen werden, wie sich Strafermittlungsbehörden und andere staatliche Behörden wie beispielsweise der Verbraucherschutz noch besser aufstellen können, um als Ansprechpartner in Bezug auf Prävention und Strafverfolgung von Internetnutzern/innen wahrgenommen zu werden. Die Studie soll darüber hinaus prüfen, ob klassische Ehrhebungsinstrumente geeignet sind um sie auch in diesem Forschungsfeld einzusetzen.