Wegweisung

Häusliche Gewalt in Familien mit Kindern: Was passiert nach einer polizeilichen Wegweisungsverfügung?

Projektzeitraum

01.09.2017 – 31.08.2020

Projektmitarbeiter

Anja Stiller (Projektleiterin)

Carolin Neubert

Katharina Doll (wissenschaftliche Hilfskraft)

Monika Haug (beratende Funktion)

Finanzierung

Deutsche Kinderhilfe e.V.

 

Projektbeschreibung

Im Zuge der Änderungen durch das Gewaltschutzgesetz im Jahr 2002 (BGBl. I (2001) 3513) wurden auch Polizeigesetze der Länder angepasst und Instrumente zur vorübergehenden Verweisung aus der Wohnung (sog. Wegweisung) geschaffen, die bis zu max. 14 Tage andauern können. Dieser Verweis kann im Falle von häuslicher Gewalt von der Polizei ausgesprochen werden. Im Rahmen vorliegender Untersuchung sollen Fragen zum Phänomen (u.a. Erscheinungsformen), den durchgeführten Maßnahmen im Anschluss an eine Wegweisungsverfügung (u.a. weitere polizeiliche Maßnahmen, familiengerichtliche Entscheidungen, Zusammenarbeit beteiligter Institutionen) sowie zur Wirkung (u.a. innerfamiliäre Veränderungen) beantwortet werden. Im Fokus stehen dabei stets Fälle von häuslicher Gewalt, bei denen Kinder betroffen sind. In diesem Kontext ist das Jugendamt als zentraler Akteur hervorzuheben, das in solchen Fällen und in Fällen mit einer zusätzlichen Wegweisungsverfügung durch die Polizei zu informieren ist (PDV 382 Nr. 3.2.7).

Methodisch wurde zur Beantwortung der Fragen ein multimethodaler Zugang gewählt, der vor dem Hintergrund der tatsächlich durchgeführten Maßnahmen die institutionelle Perspektive mit der Betroffenenperspektive zusammenführt. Im Rahmen der formal-institutionellen Perspektive steht die Fallbearbeitung in den Jugendämtern im Vordergrund. Dazu werden Akten analysiert sowie eine bundesweite Online-Befragung von Jugendamtsmitarbeiter*innen realisiert mit dem Fokus auf das Vorgehen (formell/informell). Ergänzend werden Einzelfallanalysen durchgeführt, um vertiefend-fallbezogene Aspekte zu generieren. Es werden Interviews mit Betroffenen und den entsprechenden Fallbearbeitern geführt sowie die Akten dieser 15 ausgewählten Fälle qualitativ analysiert. Dabei geht es vorrangig um die Interaktionsdynamiken zwischen den Familien und den staatlichen Institutionen sowie um die Wirkung staatlicher Maßnahmen.